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Country Monday

Bart Budwig ist ein Sohn Idahos, ein kosmischer Country-Schnulzensänger, ein überschwänglicher Trompetenspieler, ein Soulsänger mit weinender Manier. Seine Musik besteht aus scheinbar unvereinbaren Facetten; geklimperte und getrommelte Countryrhythmen, Jazzgitarrenmelodien, R&B-Gesängen. Wenn Bart singt, dehnt er Wörter zu meditativen Mantren aus, fesselnde Wortschöpfungen aus Ganztönen, bis sich seine Reibeisenstimme in einem zerfransten Ende verliert. Sein neuestes Album Another Burn On The Astroturf wurde über fünf Tage hinweg von einer siebenköpfigen Band im OK Theater aufgenommen. Es ist eine Schwärmerei der Melancholie, die der entkorkten Rock n Roll-Spiritualität des Königs der Mystik Van Morrison, der düsteren Nostalgie des dunklen Prinzen Nick Drake und dem Songschreiberhandwerk der Muscle Shoals aus den 70ern gedenkt, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen.

Wie bei jenen psychospirituellen Songschreibern, stammt seine Kraft aus gesanglichen Eigenheiten – Intonationen der Liebe, der Vergänglichkeit, der Hoffnung, des Humors. Das Album wird mit Budwigs Originalen „Time For Two“, „First To Go“ und „Strong Coffee“ eröffnet – ursprünglich nur mit Sologitarre (und knisterndem Holzofen) auf dem Album Sabai wiedergegeben. Die Lieder wurden nun live aufgenommen, mit kompletter Band, in einem Medley aus heißer elektrischer Gitarre, holzigem Kontrabass und Schlagzeug. Die Band elektrisiert und peitscht das Fleisch der Lieder zu vollständig entwickelten Folk Rock-Überraschungen. „Strong Coffee“ ist eine mit ganzer Band eingespielte Version eines Budwigschen Soul-Standard in ihm schlägt das Piano im Takt mit dem schlagzeug, finster durch die Liebe stapfend. Drei Minuten, von denen man sich wünscht, dass sie ewig weilten.

Etwas, was die Römer „göttlichen Schimmer“ nannten, umgibt Bart Budwig. Sein blondes Haar und Bart hüllen seinen Kragen ein und rahmen sein Lächeln in einen Schein aus Gold. Seine Ausstrahlung täuscht über die Loyalität hinweg, die er einem Heer von Talenten abverlangt. Er würde dir eher einen Witz erzählen als preiszugeben, dass er in den letzten Jahren ein Dutzend Alben und Hunderte von Liedern aufgenommen hat.
Budwigs innige Betrachtung des Werks anderer Künstler resultierte über die Jahre in beeindruckenden Neuinterpretationen, von denen viele zum Album Paint By Numbers Jesus wurden.

Diese Entwicklung im Folk forstsetzend, hat Budwig auf Another Burn On The Astroturf zwei Lieder gecovert: „Oh Mother“, eine verzagte Rückbesinnung auf einen alkoholabhängigen Vater, von Independent Artist Allison Olender, und Nick Drakes Klassiker „Northern Sky“. Budwig ist ein begnadeter Trompetenspieler und lässt, um das Lied zu eröffnen, ein Solo vorangehen, das der dunkle Prinz persönlich genießen würde. „Northern Sky“ stammt von Drake und John Cales Meisterwerk aus den späten Sechzigern „Bryter Later“ ab, aber Budwig eignet es sich hier an, das Album als einen Teil einer fortlaufenden Schöpfung eines neuen Amerikanischen Sounds aufzeigend, für welchen Budwig das Ruder übernimmt.
Trotz all der Intensität in Barts Musik verliert er nie seinen Sinn für Humor. Die leuchtendsten Momente auf dem Album gehen aus einer tranzendentalen Hommage an „Beast of Burden“ von den Rolling Stones hervor, „Rolling Stoned“, in der er darüber nachsinnt, ob er in Wahrheit böse genug, reich genug, gut genug sei. Die Antwort lautet, natürlich: Nein, aber er merkt scherzhaft an, dass, wenn irgendwer von uns derart gut wäre, wir dann nicht auch besser dran wären mit ... etwas Besserem? Im „Sock Song“ werden die Dynamiken intimer Beziehungen zu der Tendenz einer Socke reduziert vom vorhergesehenen Partner abzuschweifen, sobald sie im Trockner landet. Seine musikalischen Gemeinsamkeiten mit den spirituell Suchenden Van Morrison und Nick Drake sind jetzt unleugbar, aber er ist nicht wie sie auf dem Pfad verloren, er ist geerdet, auf ansteckende Weise dankbar. Barts Meisterung der dramaturgischen Ironie verwandelt mit komplexen emotionalen Seinszuständen sein Werk in besänftigende, erbauende und nachfühlbare Musik.

Dieses Geschick Tragödie und Komödie zu humanistischen Hallelujas zu vereinen, macht Budwig zu einer Schwerkraft und Chimäre der Branche. Der General des Studios, der Luftikus, der sensible Songschreiber mit schroffer Stimme. Der Soulsänger mit kosmischer Country Band. Der Erschaffer eines Folkuniversums, aus allen Richtungen Musiker ins Niemandsland ziehend. Diese direkte Gegenüberstellung ist das, was Another Burn On The Astroturf zu einem weiteren Triumph für Bart Budwig macht, und zu einer unbedingten Hörempfehlung für dich.

Mo, 23.03.2020, 20:00
ROSENKELLER
COUNTRY
VVK 8,- / AK 12,-



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